Meine Geschichte
„So lange Familienplanung ein privater Luxus ist, werden wir keine wirtschaftliche Gleichstellung erreichen“
Persönliche Folgen des fehlenden Mutterschutzes
Durch eine Hyperemesis war ich nahezu die komplette Schwangerschaft über Arbeitsunfähig mit Krankenhaus-Aufenthalten und musste aus meinen Rücklagen leben.
Ich konnte nicht vorrausschauend planen, weil ich nie wusste wann es mir besser geht. Ich wog knapp 50kg im 4. Monat, konnte nicht mehr stehen vor Schwäche, weil keine Flüssigkeit, keine Nahrung bei mir blieb und habe trotzdem mit dem Laptop auf dem Baum im liegen verzweifelt versucht mein Unternehmen zu retten.
Meine komplette Schwangerschaft war geprägt von Existensängsten. Ich hatte Angst insolvent zu gehen und ich hatte Angst mein Kind aufgrund meiner körperlichen Strapazen zu verlieren. Meine Schwangerschaft war deswegen ein truamatisches Erlebnis.
Auch nach der Geburt konnte das Elterngeld nicht die laufenden Betriebskosten und privaten Kosten auffangen. Als ich wieder gesundheitlich in meinem Beruf einsteigen konnte musste ich deswegen wieder komplett bei Null anfangen mein Unternehmen aufzubauen. Alles was ich für meine Rente angelegt hatte war aufgebraucht.
Nach 6 Jahren muss ich mich immer noch wirtschaftlich davon erholen und kann auch deswegen meinem Wunsch nach einem Geschwisterkind nicht nach gehen.
Was wäre, wenn ich alleinerziend und in der Gründung gewesen wäre? Ohne meine privaten Rentenrücklagen, meinem liquiden Unternehmen und meinem Parner wäre ich jetzt vielleicht obdachlos aufgrund meiner Schwangerschaft.
VITA
ALIDE VON BORNHAUPT
UX Designer*in
Ich habe mich 2013 während meines Studiums im Bereich UX Research und digitale Produktentwicklung selbständig gemacht, auch um mir das Studium in dem Umfang zu finanzieren. 2020 während der Pandemie konnte ich deswegen auf eine beachtliche Anzahl von Projekten schauen. Zum Zeitpunkt meines gesundheitliche Zustandes aufgrund der Schwangerschaft arbeitete ich während der Pandemie für die Regierung an meinem zu dem Zeitpunkt größten Projekt.
2022 habe ich wegen meiner Erfahrung sowohl die Kampagne der Petition mitgeleitet, als auch als geschäftsführender Vorstand den Verein Mutterschutz für Alle! e. V. mitgegründet und 3 Jahre lang ehrenamitlich Politik und Wirtschaft über den Misstand mit diversen Aktionen und Gesprächen mit Johanna Roeh federführend aufgeklärt.
Seit 2024 gründete und leite ich in Nürnberg die Digital Women* Community. Auch hier kläre ich regional FLINTA* über Gleichstellungsthemen auf. Es kommen weiterhin viele Betroffene zu mir, weil sie keinen Mutterschutz bekommen und Hilfe suchen.
In meiner Selbständigkeit begleite ich inzwischen erfolgreich Kunden aus USA, UK und Europa bei ihren Digitalisierungsprojekten und trete mit meinem Wissen auch als Speaker*in auf Konferenzen im DACH-Raum auf.