Meine Geschichte
„Als selbstständige Zahnärztin hatte ich keinen gesetzlichen Mutterschutz. Meine private Versicherung reichte nur für eine kurze Pause. Danach musste ich zurück, denn Kredit, Gehälter und Fixkosten laufen weiter, ob ich behandle oder nicht. Ein Kind wird so zum Existenzrisiko. Mutterschutz für Selbstständige steht im Koalitionsvertrag, umgesetzt ist er bis heute nicht.“
Persönliche Folgen des fehlenden Mutterschutzes
Mein Sohn war schon ganz klein mit in der Praxis, er schläft nur bei mir ein. Termine plane ich um seinen Schlaf herum, doch er ist kein Roboter. Andere schieben ihre Arbeit zehn Minuten auf, als Zahnärztin geht das nicht. Einmal weinte er so, dass ich eine Behandlung abbrechen musste. Die Patientin lag mit aufgebohrten Zähnen da, ungewiss, wann die Füllung folgt. Mein Pensum schaffe ich nicht, der Umsatz sinkt, die Kosten bleiben. Ich stehe zwischen den Stühlen: Mir tun meine Patienten leid und mein Kind genauso.
VITA
Anne Szablowski
Zahnärztin
Ich habe Zahnmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover studiert. Nach meiner Assistenzzeit und insgesamt fünf Jahren im Angestelltenverhältnis habe ich mich selbstständig gemacht. Seitdem führe ich eine Gemeinschaftspraxis im ländlichen Raum nahe Hannover. Ich liebe meinen Beruf, die Nähe zu meinen Patienten und die Arbeit mit meinem Team.
Neben der Praxis engagiere ich mich im Bundesvorstand des Freien Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ). Dort setze ich mich für die Interessen niedergelassener Zahnärztinnen und Zahnärzte ein. Ich weiß, wie viel Mut der Schritt in die eigene Praxis kostet. Deshalb liegt mir am Herzen, dass die Selbstständigkeit für junge Zahnärztinnen attraktiv bleibt.
Im April 2026 kam unser Sohn zur Welt. Seitdem erlebe ich selbst, was es heißt, als Selbstständige Mutter zu werden. Ohne gesetzlichen Mutterschutz war ich nach kurzer Zeit zurück in der Praxis, und Anton kam mit. Heute bestimmt sein Rhythmus meinen Praxistag, nicht das Terminbuch. Dass das überhaupt funktioniert, verdanke ich meinem Partner, einer Freundin aus meinem Team und viel Improvisation.
Ich teile meine Geschichte, weil viele Kolleginnen vor derselben Frage stehen: Praxis oder Familie? Keine Frau sollte sich dazwischen entscheiden müssen, nur weil sie selbstständig ist.