Meine Geschichte

CARINA MEIER

Architektin

Selbstständig seit 2017

Rheinland-Pfalz

Kontakt

PRESSEFOTOS

Als selbstständige Architektin musste ich auch nach einer schwierigen Schwangerschaft, Not-Kaiserschnitt und gesundheitlichen Problemen schnell wieder arbeiten. Selbstständige tragen genauso zum Sozialsystem bei – warum fehlt uns in dieser sensiblen Zeit der Mutterschutz?
— Carina Meier

Persönliche Folgen des fehlenden Mutterschutzes

Ursprünglich hatte ich das Gefühl gut vorbereitet zu sein… Ich habe meine Projekte etwas zurückgefahren und weniger Bauleitungen übernommen, dafür mehr Planungen. Für ein größeres Projekt in diesem Jahr haben wir frühzeitig einen externen Bauleiter akquiriert.

Dies bedeutet zwar, dass wir einen größeren Honorarausfall, aber zumindest die Referenz für unser Büro haben. Natürlich hatte ich geplant bis zur Entbindung arbeiten zu gehen.

Dies war bereits früh eine schwierige Zeit, da ich ab Woche 8 bis zum Ende an starker Schwangerschaftsübelkeit litt. Ich schleppte mich durch die Bürotage. Zudem habe ich versucht, die Schwangerschaft so lange wie möglich zu verstecken, damit unsere Kunden nicht das Gefühl haben, sich anderweitig orientieren zu müssen.

Evtl. fand dieses Szenario nur in meinem Kopf statt, allerdings habe ich doch den Eindruck, dass der Gedanke, dass „die Frau dann erstmal aussteigt und so schnell nicht mehr zurückkommt“ noch aktuell ist.

In der 35. SSW entwickelte ich dann leider ein Hellp-Syndrom und hatte eine Not-Sectio.

Mein Sohn musste zum Glück nur zwei Tage auf der NeoPäd verbringen, so dass wir schnell nach Hause konnten. Leider musste ich dann nochmal für ein paar Tage ins Krankenhaus, da sich mein Blutdruck nicht regulierte.

Ich habe mir nach der Entbindung zwei Wochen Urlaub genommen.

Das Schwierige war, dass ich diese 5 Wochen, die mein Kind zu früh auf die Welt kam und meine körperlichen Probleme nicht mit eingeplant hatte. Das hat nur funktioniert, da ich einen Geschäftspartner habe, auf den ich mich verlassen kann und zu Hause Unterstützung durch den Vater des Kindes hatte.

Nach 14 Tagen haben wir beide wieder angefangen zu arbeiten. Mein Lebensgefährte Vollzeit und ich schaffe momentan ca. 25-30 Stunden pro Woche, da der Kleine (noch) viel schläft und recht pflegeleicht ist.

Zudem habe ich zum Glück meine Mutter, die uns bei Bedarf unterstützt, wenn ich zu (Baustellen)Terminen muss.

Die Wochen vor und nach der Entbindung waren sicherlich nicht nur für mich eine sehr „sensible Zeit“.

Durch meinen Gesundheitszustand war dies ein extremer Ritt und ich war ziemlich fertig. Zusätzlich die Sorge, wie ich nun im Büro noch alles regle, was zu regeln ist.

Da fehlte einfach die Zeit des Mutterschutzes. Es wäre hilfreich gewesen, sich zumindest für kurze Zeit zu 100% auf das Neugeborene, die neue Situation und sich selbst konzentrieren zu können.

Es ist einfach nicht fair, dass wir in dieser Situation keine Unterstützung erhalten, nur weil wir selbstständig sind. Wir tragen genauso zum Sozialsystem bei wie Angestellte. Warum wir keine Leistungen in einer so sensiblen Zeit erhalten, ist weder verständlich noch nachvollziehbar.

VITA

Das Foto entstand im Krankenhaus während der komplizierten Schwangerschaft.

CARINA MEIER

Architektin

Carina Meier ist Architektin und Gesellschafterin von Meier Missbichler Architekten PartG mbB in Koblenz. Nach ihrem Architekturstudium an der FH Koblenz, das sie 2011 mit dem Master of Arts abschloss, sammelte sie zunächst Berufserfahrung bei JuNiMo Architekten sowie Merwald + Partner. Von 2017 bis 2018 war sie als Gesellschafterin bei Tamburro + Partner tätig. Seit 2019 führt sie gemeinsam mit Clemens Missbichler das Büro Meier Missbichler Architekten.

Neben ihrer Tätigkeit als freiberufliche Architektin engagiert sich Carina Meier als Lehrbeauftragte an der Hochschule Koblenz. Zudem ist sie als Architektin der Landesberatungsstelle für Barrierefrei Bauen und Wohnen tätig und berät unter anderem zu barrierefreiem und altersgerechtem Bauen.