Meine Geschichte
„Selbstständige Frauen haben in der Schwangerschaft keinen Mutterschutz und keinen Einkommensersatz. Wer ausfällt, verliert Aufträge und oft den Betrieb, eine Stelle zum Zurückkommen gibt es nicht. Mütter verdienen vier Jahre nach der Geburt im Schnitt 30.000 Euro weniger. Der Staat finanziert Milliarden für das Alleinverdienermodell. Für Absicherung wären es 300 Millionen.“
Persönliche Folgen des fehlenden Mutterschutzes
Fünf Tage vor Drehbeginn war meine Rolle weg, der letzte Job, vor meiner Mutterschaft, zwei Tage, nachdem ich meine Schwangerschaft in der 12. Woche, mitgeteilt hatte. Meiner Agentin sagte man am Telefon, als Schwangere hätte ich nicht mehr den nötigen Sex-Appeal. Ich habe geklagt und die halbe Gage als Schadensersatz bekommen. Im Arbeitsrecht zahlt man seinen Anwalt selbst, auch wenn man gewinnt. Deshalb tun das die wenigsten. Geblieben ist ein Rat, an meine Kolleginnen, den ich bedauere: Behalt die Schwangerschaft für dich.
VITA
CARO CULT
Schauspielerin
Seit ich mit 18 ausgezogen bin, stehe ich auf eigenen Beinen. Ich komme aus einem Arbeiterhaushalt, hatte nie finanzielle Puffer und mir meine Filmkarriere von null aufgebaut. Mit dem Kinofilm High Society kam 2017 der Durchbruch. Danach folgten weitere Kinoproduktionen und Serien, unter anderem Tatort, Babylon Berlin und Biohackers oder der Netflixfilm „Für Jojo“. Über zehn Jahre habe ich viel erreicht, auf das ich stolz bin. Ich habe gut verdient und entsprechend Steuern gezahlt. In dem Moment, in dem ich sage dass ich schwanger bin, verändert sich plötzlich alles. Ich liebe nichts mehr, als Mama zu sein. Aber warum müssen wir uns entscheiden? Es gibt Frauen, die beides geschafft haben. Fast immer beginnt das mit Geheimhaltung. Weil vor mir kaum eine öffentlich schwanger arbeiten konnte, wurde am Set nie etwas angepasst. Keine Stillpausen im Drehplan. Dieses Schweigen, will ich nicht fortsetzen.