Meine Geschichte
„Als Studentin frage ich mich schon jetzt: Darf ich frei entscheiden, wie ich arbeiten möchte – oder schränkt mich mein Geschlecht ein? Wer sich selbstständig macht, verzichtet im Fall einer Schwangerschaft faktisch auf Mutterschutz. Das ist keine freie Berufswahl, das ist ein struktureller Nachteil. Ich will echte Chancengleichheit – unabhängig vom Geschlecht, unabhängig davon, ob ich angestellt bin oder nicht.“
Persönliche Folgen des fehlenden Mutterschutzes
Noch habe ich kein Kind und bin nicht selbstständig. Aber sollte ich mir eines Tages ein Kind wünschen, bliebe ich vermutlich angestellt – nicht aus freier Wahl, sondern wegen des Mutterschutzes. Die Selbstständigkeit, die ich eigentlich anstrebe, würde ich mir aus Angst vor finanzieller Unsicherheit gar nicht erst zutrauen. Diese Entscheidung träfe ich nicht wegen meiner Fähigkeiten oder Wünsche, sondern allein wegen meines Geschlechts – das ist keine echte Berufsfreiheit.
VITA
Emma Brandes
Studentin
Ich bin 27 Jahre alt und habe meinen Bachelor in Ökotrophologie abgeschlossen – ein Studienfach, das klassischerweise in die Selbstständigkeit führt, etwa in der Ernährungsberatung oder im Ernährungscoaching. Doch als Angestellte verdient man in diesem Bereich oft nur wenig, weshalb ich mich entschieden habe, meinen Master in Ökologischer Landwirtschaft draufzusetzen. Damit vertiefe ich meine fachliche Ausrichtung, verbinde Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft und erweitere meine beruflichen Perspektiven – auch mit Blick auf eine mögliche eigene berufliche Zukunft.
Privat lebe ich in einer festen Beziehung, und langsam beschäftigt mich die Frage, wie es einmal mit der Familienplanung aussehen könnte. Noch stelle ich diese Gedanken bewusst zurück: Erst möchte ich mein Studium abschließen und beruflich Fuß fassen, damit eine Familie später auch finanziell tragbar ist. Karriere und Familie gemeinsam zu denken, fühlt sich für mich noch wie Zukunftsmusik an.
Was mir dabei jetzt schon an Absicherung fehlen könnte, möchte ich mir eigentlich gar nicht eingestehen – zu unbequem ist der Gedanke. Genau das zeigt aber, wie sehr die fehlende Absicherung für Selbstständige bei Schwangerschaft meine Zukunftsplanung schon heute prägt, obwohl ich weder Kind noch Selbstständigkeit bisher zur Realität gemacht habe. Deshalb engagiere ich mich für Mutterschutz für Alle: damit Berufswahl und Familienplanung für alle Geschlechter gleichermaßen frei bleiben.