Meine Geschichte
FARINA FUEST
Reitsportsattlerin
Selbstständig seit 2017
Nordrhein-Westfalen
„Ich habe morgens mit Wehen noch in der Firma gesessen, Nachrichten beantwortet und Buchhaltung gemacht. Da ich eine Gesellin und Auszubildende hatte, konnte ich zumindest ein paar Monate vorher die Termine am Pferd einstellen, ein Luxus den sich nicht alle Selbständigen in meinem Beruf leisten können.“
Persönliche Folgen des fehlenden Mutterschutzes
Dadurch das ich Angestellte hatte, bekam ich weiterhin Einnahmen. Deswegen bekam ich auch nur den Mindestsatz Elterngeld von 300€. Da meine Arbeitskraft aber fehlte, habe ich viele Monate auf mein Gehalt verzichtet, damit ich die Angestellten und alle Fixkosten der Firma zahlen konnte. Meine BWA nach einem halben Jahr nach der Geburt erschreckte mich: 66% weniger GEWINN, Umsatzrückgang lag zwar bei etwas weniger, aber die Ausgaben sind auch gestiegen, die Inflation stieg 2025 ja auch deutlich und stetig. Ich musste ein Teil meiner Altersvorsorge auflösen, um weiterhin die Fixkosten der Firma und meine privaten bezahlen zu können. Meine Gesellin wurde die Arbeit irgendwann zu viel, bzw. Sie wollte für ihren Einsatz auch entlohnt werden. Klar, sie wusste auch, was sie in der Zeit einnahm, und fand wohl ihr Gehalt dafür zu wenig. Ich konnte es ihr aber nicht zahlen. 9 Monate nach der Geburt kam dann die Kündigung von ihr. Die eine Auszubildende war mittlerweile ausgelernt und wollte nicht bleiben. Kurzfristig konnte ich eine neue Auszubildende einstellen. Aber ohne Gesellin hieß es für mich: Die Chefin muss wieder selber ran, um die neue Auszubildende zu betreuen und auszubilden, und natürlich um die Firma zu erhalten. Kurzfristig musste ich einen Kita-Platz, hier hatte ich dann doch mal einen selbstständigen Bonus und die Stadt konnte mir einen ausgezeichneten Kita-Platz organisieren. Ich habe in 2026 mehrfach gedacht, ich müsste Insolvenz anmelden, spätestens Ende des Jahres. Aktuell sieht es aber positiv aus, Kosten habe ich überall reduziert, Preise angepasst. Aber auch endlose schlaflose Nächte gehabt, viele Tränen vergossen und das in einer Zeit, in der man sich als Familie zusammen finden soll, und wie alle sagten: die Zeit genießen. Das war wirklich extrem schwer!
VITA
FARINA FUEST
Reitsportsattlerin
2015-2017 war ich angestellte Reitsportsattlerin. Nach einer unerwarteten Kündigung ging es zurück in die Heimatstadt. Ich meldete ein Gewerbe an, hatte aber auch bereits die Bestätigung für den Meisterkurs 2018. Diesen absolvierte ich erfolgreich. Nebenbei arbeitete ich als selbstständige Sattlerin, Meisterpflicht gibt es bei uns nicht, dennoch habe ich mich für den Meister entschieden. Das erste Mal hatte ich Spaß am Unterricht und lernen. Ich schloss noch die Ausbildung zur Betriebswirtin nach HwO ab. Ein Umzug der Firma stand an, meine erste Auszubildende, meine zweite Auszubildende…
2024 mein Partner, mit dem ich relativ schnell wusste, dass es gut wird und ich mir eine Familie vorstellen kann. Natürlich war es unvernünftig (als Selbstständige) so früh mit der Familienplanung zu starten, aber ich werde ja auch nicht jünger. Rücklagen, die ich für so einen Fall haben wollte, hatte ich nicht. Ich hätte noch mindestens 2 Jahre sparen sollen. Oft habe ich den Gedanken gehabt, wie falsch es gegenüber der Firma war, die Schwangerschaft durchzuziehen. Aber wenn man diesen kleinen Mini-Menschen sieht, weiß man auch, dass es sich mehr als gelohnt hat.