Meine Geschichte

KAROLIN WERKMEISTER

Sattlermeisterin

Selbstständig seit 2012

Brandenburg

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„Es ist eine unfassbare Ungleichbehandlung und verstößt zudem gegen EU-Vorgaben, dass von Frauen geführte Betriebe mangels Absicherung noch immer systematisch benachteiligt werden. Entgegen viel geteilter Meinungen, ist es vielen Frauen eben nicht möglich, sich eigenverantwortlich abzusichern. Und falls doch in Ausnahmefällen, ist auch das ein eklatanter Wettbewerbsnachteil gegenüber von Männern geführten Betrieben, wenn Investitionen zurückgestellt und Kredite aufgenommen werden müssen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Während selbstständiger Arbeit und der Zeit, in der eine Angestellte und ihr (ungeborenens) Baby durch Mutterschutz geschützt wäre, müssen Selbstständige die eigene Gesundheit und die ihres Kindes riskieren, um nicht den persönlichen wirtschaftlichen Ruin zu erleiden.“
— Karolin Werkmeister

Persönliche Folgen des fehlenden Mutterschutzes

Mein bisher einziges Kind wurde 2014 geboren. Erst während der Schwangerschaft und der Beschäftigung mit dem Elterngeld wurde mir klar, dass ich, so lange wie es irgendwie machbar ist, unser beider Gesundheit bei schweren, lauten und mit Lösungsmitteln belasteten Arbeiten riskieren und auch nach der Geburt schnellstmöglich wieder zu meinen KundenInnen muss, da ich sonst meine Fixkosten nicht decken könnte.

Ich hatte mich intensiv auf die Selbstständigkeit vorbereitet und mit meinem Meistertitel alle Qualifikationen dafür erworben.

Was mit keinem Wort erwähnt wurde, war die Tatsache, besser nicht schwanger zu werden oder sich zusätzlich mit einer Festanstellung abzusichern. (Eine Festanstellung wäre bei mir persönlich allerdings nicht in Frage gekommen, da es in meiner Region schlicht keinen weiteren Sattlereibetrieb gibt.)

Ich stand bis wenige Tage vor der Geburt in der Werkstatt. Meine Tochter wurde ungeplant per Kaiserschnitt geboren.

Die Folgen dieser großen OP konnte ich nicht in Ruhe kurieren und habe noch aus dem Krankenhausbett heraus gearbeitet. Mein Neugeborenes musste mit wenigen Wochen mit raus zum Stall (Kundentermine) und ich mit Schmerzen arbeiten.

In meiner Branche ist eine Betriebs- oder Inhaberausfallversicherung nicht möglich.

Ich bekam kein Krankentagegeld, nur einmalig (!) ca. 210 € Mutterschutzgeld vom Bund und ich zahlte weiter meine vollen KV-Beiträge.

VITA

KAROLIN WERKMEISTER

Sattlermeisterin

Ich bin Karolin, gebürtig aus der Uckermark, 39 Jahre jung, geschieden, Reitsportsattlermeisterin und Mutter einer 12-jährigen Tochter.

Ich habe nach meiner Gesellenprüfung zur Reitsportsattlerin in Hannover zwei Jahre in den Niederlanden gearbeitet, mit 24 Jahren den Meistertitel erworben und mich im selben Jahr zurück in meiner Heimat selbstständig gemacht.

Zwei Jahre, 2014, später wurde meine Tochter geboren.

Zur Selbstständigkeit hatte ich keine Alternative. Denn es gab es in meiner Region zu dem Zeitpunkt keine einzige Sattlerei.
Inzwischen führe ich den Betrieb seit fast 15 Jahren erfolgreich.

Das ging allerdings nur, weil ich während der Schwangerschaft bis zum 9. Monat in der Werkstatt und am Pferd und nach der Geburt aus dem Krankenhausbett heraus gearbeitet habe.
Meine Tochter musste in den ersten Lebenswochen mit zu den Kundenterminen am Stall und in die Werkstatt.
Eine gesunde Auszeit und Erholung konnte ich mir schlicht finanziell nicht leisten.

Im Versuch, meinen Beitrag zur Verbesserung dieser existenzgefährdenden Situation zu leisten, bin ich 2024 der Partei des Fortschritts PDF beigetreten und setze mich als Landesparteisprecherin und in meiner Eigenschaft als selbstständige Unternehmerin regional für die Aufklärung über den fehlenden Mutterschutz ein.