Meine Geschichte

KAROLIN WERKMEISTER

Sattlermeisterin

Selbstständig seit 2012

Brandenburg

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„Es ist eine unfassbare Ungleichbehandlung und verstößt zudem gegen EU-Vorgaben, dass von Frauen geführte Betriebe mangels Absicherung noch immer systematisch benachteiligt werden. Entgegen viel geteilter Meinungen, ist es vielen Frauen eben nicht möglich, sich eigenverantwortlich abzusichern. Und falls doch in Ausnahmefällen, ist auch das ein eklatanter Wettbewerbsnachteil gegenüber von Männern geführten Betrieben, wenn Investitionen zurückgestellt und Kredite aufgenommen werden müssen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Während selbstständiger Arbeit und der Zeit, in der eine Angestellte und ihr (ungeborenens) Baby durch Mutterschutz geschützt wäre, müssen Selbstständige die eigene Gesundheit und die ihres Kindes riskieren, um nicht den persönlichen wirtschaftlichen Ruin zu erleiden.“
— Karolin Werkmeister

Persönliche Folgen des fehlenden Mutterschutzes

Wir wünschen uns noch ein Kind. Aber nach zwei Fehlgeburten im letztem Jahr kann er es sich aktuell nicht mehr vorstellen, da ihm bewusst geworden ist, wie hoch das finanzielle Risiko ist, wenn ich noch längere Zeit ohne Einkommensersatz ausfalle.

Meinem Partner wäre es auch trotz gutem Einkommen schlicht nicht möglich, zwei private Einkommen, plus die Fixkosten meiner Firma monatlich zu ersetzen.

Ich muss mich zwischen dem Wunsch nach einem Geschwisterkind für meine Tochter und einem abgesicherten Betrieb entscheiden. Wenn nicht zeitnah politisch die Vorraussetzungen geschaffen werden, nimmt die Biologie mir diese Entscheidung ab.
Auch hätte ich mich gern wenigstens selbst abgesichert, dies ist mir jedoch nicht möglich gewesen. Die Krankenkasse verweigert die Erhöhung des Krankentagegeldes - meine einzige Aussicht auf einen regelmäßigen kleinen Einkommensersatz.
In meiner Branche ist eine Betriebs- oder Inhaberausfallversicherung nicht möglich.
Ich bekomme nach Karenzzeit ein geringes Krankentagegeld und einmalig (!) 210 € Mutterschutzgeld vom Bund und ich zahle weiter meine vollen KV-Beiträge.

Ich arbeite in einer Branche, in der ich hier keine Vertretung bestellen kann - Es gibt hier schlicht keine SattlermeisterInnen, die meine Arbeit übernehmen könnten.

In der Folge habe ich mich vor Kurzem das erste Mal seit 18 Jahren in einem anderen Betrieb beworben. Meine berufliche Passion und auch, dass meine erlernte Arbeit tierschutzrechtlich relevant ist und gebraucht wird, muss hier hinten anstehen. Es gibt keinen Betrieb im großen Umkreis, der mich anstellen könnte.

Mein bisher einziges Kind wurde 2014 geboren. Erst während der Beschäftigung mit dem Elterngeld wurde mir klar, dass ich, so lange wie es geht, unser beider Gesundheit bei schweren, lauten und mit Lösungsmitteln belasteten Arbeiten riskieren und auch nach der Geburt schnellstmöglich wieder zu meinen KundenInnen muss, da ich sonst meine Fixkosten nicht decken könnte. Meine Tochter wurde ungeplant per Kaiserschnitt geboren. Die Folgen dieser großen OP konnte ich nicht in Ruhe kurieren und habe noch aus dem Krankenhausbett heraus gearbeitet. Mein Neugeborenes musste mit wenigen Wochen mit raus zum Stall (Kundentermine) und ich mit Schmerzen arbeiten.
Heute sind die finanziellen Belastungen zusätzlich noch einmal sehr viel größer als vor 12 Jahren...

VITA

KAROLIN WERKMEISTER

Sattlermeisterin

Ich bin Karolin, gebürtig aus der Uckermark, 39 Jahre jung, geschieden, Reitsportsattlermeisterin und Mutter einer 12-jährigen Tochter.

Ich habe nach meiner Gesellenprüfung zur Reitsportsattlerin in Hannover zwei Jahre in den Niederlanden gearbeitet, mit 24 Jahren den Meistertitel erworben und mich im selben Jahr zurück in meiner Heimat selbstständig gemacht.

Zwei Jahre, 2014, später wurde meine Tochter geboren.

Zur Selbstständigkeit hatte ich keine Alternative. Denn es gab es in meiner Region zu dem Zeitpunkt keine einzige Sattlerei.
Inzwischen führe ich den Betrieb seit fast 15 Jahren erfolgreich.

Das ging allerdings nur, weil ich während der Schwangerschaft bis zum 9. Monat in der Werkstatt und am Pferd und nach der Geburt aus dem Krankenhausbett heraus gearbeitet habe.
Meine Tochter musste in den ersten Lebenswochen mit zu den Kundenterminen am Stall und in die Werkstatt.
Eine gesunde Auszeit und Erholung konnte ich mir schlicht finanziell nicht leisten.

Im Versuch, meinen Beitrag zur Verbesserung dieser existenzgefährdenden Situation zu leisten, bin ich 2024 der Partei des Fortschritts PDF beigetreten und setze mich als Landesparteisprecherin und in meiner Eigenschaft als selbstständige Unternehmerin regional für die Aufklärung über den fehlenden Mutterschutz ein.