Meine Geschichte

JOHANNA RÖH

Tischlermeisterin

Selbstständig seit 2022

Alfhausen, Niedersachsen

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Für viele selbstständige Frauen ist eine Schwangerschaft bislang ein kaum kalkulierbares finanzielles Risiko – mit Auswirkungen auf Gründungen, Wachstum und Familienplanung. Wer langfristig mehr Frauen für die Selbstständigkeit gewinnen und halten will – gerade mit Blick auf Unternehmensnachfolge und den Fachkräftemangel – muss verlässliche Strukturen bei der Vereinbarkeit schaffen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist das gezielte Wirtschaftspolitik mit großer Wirkung
— Johanna Röh

Persönliche Folgen des fehlenden Mutterschutzes

Ich musste als Tischlermeisterin hochschwanger Baustellen abschließen – obwohl ich mich als Selbstständige auf die Familiengründung bestmöglich vorbereitet hatte. Meine Schwangerschaft wurde trotzdem zum existenziellen Risiko: Rücklagen waren schnell aufgebraucht, mein Betrieb hing am seidenen Faden. Die Erfahrung hat unsere weitere Familienplanung geprägt – die Entscheidung für ein zweites Kind wurde zu einer wirtschaftlichen Risikoabwägung. Eine weitere Schwangerschaft wird es für mich nicht geben. Heute sind wir zu viert: Neben unserer leiblichen Tochter gehört inzwischen auch ein Pflegekind zu unserer Familie.

VITA

Johanna Röh ist Tischlermeisterin, Unternehmerin sowie Mitgründerin und Vorsitzende des Vereins Mutterschutz für Alle! e.V. Als Sprecherin des Bündnisses für den Mutterschutz für Selbstständige engagiert sie sich für bessere Rahmenbedingungen für Selbstständige in der Schwangerschaft und rund um die Geburt. Nach ihrer Ausbildung ging sie von 2009 bis 2013 auf traditionelle Wanderschaft. In dieser Zeit arbeitete sie in Werkstätten in Europa, Kanada, Neuseeland und Japan und lernte unterschiedliche handwerkliche Techniken, Arbeitsweisen und Unternehmenskulturen kennen.

Heute führt sie ihre eigene Tischlerei in Niedersachsen und fertigt individuelle Möbel aus Massivholz sowie hochwertige Schneidebretter in Kleinserien. Mit der Geburt ihrer Tochter wurde sie auf ein Problem aufmerksam, das viele Selbstständige betrifft und im Handwerk besonders sichtbar wird: Während Arbeitnehmerinnen aus guten Gründen durch das Mutterschutzgesetz abgesichert sind, tragen selbstständige Frauen die Kosten und das wirtschaftliche Risiko einer Schwangerschaft und Geburt weitestgehend allein. Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus entstand ihr politisches Engagement für die Vereinbarkeit von Familie und Betrieb.

Ihr Ansatz: Nicht die Frauen müssen verändert werden, sondern die Rahmenbedingungen. Sie setzt sich dafür ein, strukturelle Hürden abzubauen und faire Wettbewerbsbedingungen für Selbstständige zu schaffen. Das von ihr initiierte Bündnis vereint heute 61 Organisationen, die gemeinsam rund 758.000 Menschen und Betriebe aus Wirtschaft, Handwerk, Kultur, Gesundheit und den Freien Berufen vertreten. 2025 gelang es ihr gemeinsam mit zahlreichen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, den Mutterschutz für Selbstständige im Koalitionsvertrag der Bundesregierung zu verankern.

Heute bringt sie ihre Erfahrungen als Handwerkerin, Unternehmerin und Mutter sowie ihre Expertise zum Mutterschutz für Selbstständige in politische Fachgespräche, die Medien und öffentliche Debatten ein.