Bundestag berät am 15. Oktober über den Mutterschutz für Selbstständige
PRESSEMITTEILUNG l 12.10.2026 Berlin
Grüne und Linke fordern gesetzliche Absicherung selbstständiger Frauen. Mutterschutz für Alle! e. V. begrüßt die parlamentarischen Initiativen und erwartet von der Bundesregierung Klarheit über den weiteren Weg zur gesetzlichen Umsetzung.
Berlin, 12. Oktober 2026. Am Donnerstag, den 15. Oktober 2026, befasst sich der Deutsche Bundestag ab 12:30 Uhr mit vier Oppositionsanträgen zur Familienpolitik, darunter zwei Anträge zum Mutterschutz für Selbstständige. Für die gemeinsame Aussprache ist eine Stunde vorgesehen. Im Anschluss ist geplant, die Anträge zur weiteren Beratung an die zuständigen Ausschüsse zu überweisen. Die Federführung soll der Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend übernehmen.
Zwei Anträge mit unterschiedlichen Lösungsansätzen
Der Antrag der Grünen „Mutterschutz für Selbstständige schaffen – Schutzlücken gesetzlich schließen“ (Bundestagsdrucksache 21/8401) fordert einen gesetzlichen Mutterschutz, der die besonderen Bedingungen und unterschiedlichen Branchen selbstständiger Erwerbstätigkeit berücksichtigt. Vorgesehen ist unter anderem ein pauschaler Basis-Mutterschaftsausgleich in Höhe von 5.000 Euro, der durch zusätzliche Zuschüsse auf Antrag ergänzt werden kann. Darüber hinaus fordert die Fraktion finanzielle Unterstützung für notwendige Vertretungs- und Betriebshilfen, eine solidarische Finanzierung sowie eine bessere Berücksichtigung schwankender Einkommen beim Elterngeld für Selbstständige.
Die Linksfraktion setzt in ihrem Antrag „Mutterschutz für Selbstständige ermöglichen“ (Bundestagsdrucksache 21/8461) auf eine Erweiterung des bestehenden U2-Umlageverfahrens auf Selbstständige. Darüber sollen schwangerschafts- und mutterschaftsbedingte Einkommensrückgänge sowie unter bestimmten Voraussetzungen betriebliche Fixkosten und notwendige Vertretungen abgesichert werden. Die Regelungen sollen auch außerhalb der regulären Mutterschutzfristen greifen, wenn eine gesundheitliche Gefährdung durch die berufliche Tätigkeit ärztlich festgestellt wird.
Konkrete Lösungsansätze liegen vor
Beim Zukunftsgipfel „Selbstständigkeit & Familie – warum Vereinbarkeit Wirtschaftspolitik ist“ am 6. Oktober 2026 in Berlin diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sozialversicherung und selbstständiger Praxis über konkrete Lösungswege. Auch die begleitende Presseaktion vor dem Reichstag wurde von Abgeordneten verschiedener demokratischer Fraktionen unterstützt.
Dabei geht es nicht darum, die Mutterschutzregelungen für Angestellte unverändert auf Selbstständige zu übertragen oder sämtliche wirtschaftlichen Risiken einer Schwangerschaft aufzufangen. Entscheidend ist aus Sicht des Vereins, gesundheitlichen Schutz und wirtschaftliche Absicherung so zu verbinden, dass selbstständige Frauen verantwortliche Entscheidungen für sich, ihre Kinder und ihre Unternehmen treffen können.
Mutterschutz für Selbstständige: Jetzt ist gemeinsame Verantwortung gefragt
Aus Sicht des Vereins Mutterschutz für Alle! e. V. darf die Diskussion nicht auf Oppositionsanträge begrenzt bleiben. Auch aus der Union gibt es seit Jahren Unterstützung für das Anliegen. Bereits 2023 brachte die CDU/CSU-Bundestagsfraktion einen eigenen Antrag ein. Inzwischen haben CDU, CSU und SPD den Mutterschutz für Selbstständige im Koalitionsvertrag vereinbart. Bundesfamilienministerin Karin Prien hat einen Gesetzentwurf noch für 2026 angekündigt.
„Wir sprechen seit Jahren darüber, wie wir angesichts des Fachkräftemangels und der Nachfolgesorgen vieler Betriebe mehr Frauen für Gründungen und Unternehmensnachfolgen gewinnen können. Wir wollen, dass Frauen mutig sind, Verantwortung übernehmen und eigene Unternehmen aufbauen. Aber was bieten wir ihnen eigentlich, wenn sie Kinder bekommen? Ausgerechnet während Schwangerschaft und Geburt fehlen ihnen verlässliche Rahmenbedingungen. Gleiche Chancen sind keine besondere Unterstützung, sondern eine Selbstverständlichkeit – und liegen zugleich in unser aller wirtschaftlichen Interesse“, sagt Johanna Röh, Vorsitzende des Mutterschutz für Alle! e. V.
„Dass die Ausgestaltung einer gesetzlichen Absicherung komplex ist, steht außer Frage. Aber die Komplexität darf kein Grund sein, dass wir bei der Umsetzung nicht schneller vorankommen. Dass diese Lücke so lange bestehen konnte, sollte vielmehr Ansporn sein, jetzt gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Wir erwarten, dass in den kommenden Monaten erste konkrete Schritte erkennbar werden und die Bundesregierung deutlich macht, welchen gesetzlichen Weg sie einschlagen will.“
Weiterführende Informationen
Deutscher Bundestag: Familienpolitik im Mittelpunkt einer Bundestagsdebatte
Antrag „Mutterschutz für Selbstständige schaffen – Schutzlücken gesetzlich schließen“ (21/8401)
Antrag „Mutterschutz für Selbstständige ermöglichen“ (21/8461)
Pressefotos: Bildmaterial zur Presseaktion und zum Zukunftsgipfel am 6. Oktober 2026 in Berlin
Bildunterschrift
Selbstständige Frauen und Bundestagsabgeordnete bei der Presseaktion zum Mutterschutz für Selbstständige am 6. Oktober 2026 vor dem Reichstag in Berlin. Foto: Juliane Herrmann
Pressekontakt
Mutterschutz für Alle! e. V.
Johanna Röh
Vorsitzende
E-Mail: johanna.roeh@mutterschutzfueralle.de
Tel.: +49 1573 6218718
Weitere Informationen:
Mutterschutz für Alle! e. V.: https://mutterschutzfueralle.de/
Zukunftsgipfel Mutterschutz für Selbstständige: https://www.zukunftsgipfel.mutterschutzfueralle.de/
Mutterschutz für Alle! e. V.
Mutterschutz für Alle! e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die gesetzliche Absicherung Selbstständiger während Schwangerschaft und rund um die Geburt einsetzt. Der Verein bringt Erfahrungen aus unterschiedlichen Formen der Selbstständigkeit mit Politik, Verbänden und Fachwelt zusammen und entwickelt praxistaugliche Lösungsansätze für einen Mutterschutz für Selbstständige.
Bündnis Mutterschutz für Selbstständige
Das Bündnis Mutterschutz für Selbstständige vereint mehr als 60 Verbände, Kammern und Organisationen, die gemeinsam mehr als 900.000 Menschen und Betriebe vertreten. Es bündelt Perspektiven aus Wirtschaft, Gesellschaft und unterschiedlichen Formen der Selbstständigkeit und setzt sich für eine gesetzliche Absicherung Selbstständiger während Schwangerschaft und rund um die Geburt ein. Träger des Bündnisses ist Mutterschutz für Alle! e. V.
Fotocredit: Juliane Herrmann